NookNames_web_beta4NookNames_mobile_beta
Illustratorin Heidi Kull hat uns freundlicherweise eine Karikatur von Phil erstellt, mit der wir jetzt spielen können. Danke nochmals!

Illustratorin Heidi Kull hat uns freundlicherweise eine Karikatur von Phil erstellt, mit der wir jetzt spielen können. Danke nochmals!

Illustratorin Heidi Kull ist NOOK NAME der Woche 24 | 15!

©Foto_Heike_Overberg_HeidiKull_1000pxHeidi Kull, NOOK NAME der Kalenderwoche 24, hat mir Photoshop-Proll eine supereinfache Bastelvorlage für lustige Phil-Illustrationen zur Verfügung gestellt. Jetzt bin ich natürlich leicht voreingenommen. Deshalb fasel ich gar nicht viel rum, sondern wünsche euch viel Spaß mit den deepen Ausführungen der erfahrenen Berliner Illustratorin.

Hi Heidi, was macht deine Arbeit aus?

Ich arbeite vorwiegend als Illustratorin, erstelle aber – und das sehr gerne – auch Animationen. Meine Animationen würde ich (im Unterschied zum klassischen Trickfilm) als „animierte Illustration“ bezeichnen.

Ansonsten ist meine Arbeit sehr figurenbasiert: Ich zeichne am liebsten und häufigsten Menschen oder genau genommen Lebewesen. Das thematische Spektrum meiner Arbeiten reicht dabei sehr weit: Von Bienen, Bären, Kühen bis hin zu historischen oder Science-Fiction-Charakteren war schon alles dabei. Und genau diese Abwechslung mag ich an meinem Beruf.

Vor 5 Jahren war ich im Grunde genau da, wo ich auch heute bin: in meinem Büro, der „Zeichnerei Kull“, und damals gerade mit einem Storyboard für eine Handy-Kampagne und einer Illustration zum Thema Büro- und Computerstress beschäftigt.

Ich mache keine Akquise. Meine Kunden finden mich über das Internet oder über Weiterempfehlungen.

Dichter dran! Animationen: Auftrag war die Erstellung von rund 30 Animationen zu sechs deutschsprachigen Dichtern. Die Animationen sollten die Dokumentation um kuriose Begebenheiten aus dem Leben der Dichter erweitern und wurden in der WDR-Schulfernsehreihe „Dichter dran!“ gesendet. Für die Konzeption der Animationen habe ich eng mit dem Regisseur Markus Augé zusammengearbeitet und mit ihm – im engen Zeitrahmen – die bestmögliche Umsetzung besprochen. Toll und herausfordernd an diesem Projekt war für mich das literarische Thema und die Möglichkeit, die biografischen Dichter-Aspekte humorvoll umsetzen zu dürfen. Darüber hinaus habe ich durch den Zeitdruck des Projekts gelernt, einen – für Animation – sehr effektiven und schnellen Workflow zu entwickeln. Regie: Markus Augé, Animationen: Heidi Kull, Produktion: Florianfilm, Kunde: WDR, 2014

Dichter dran! Animationen: Auftrag war die Erstellung von rund 30 Animationen zu sechs deutschsprachigen Dichtern. Die Animationen sollten die Dokumentation um kuriose Begebenheiten aus dem Leben der Dichter erweitern und wurden in der WDR-Schulfernsehreihe „Dichter dran!“ gesendet. Für die Konzeption der Animationen habe ich eng mit dem Regisseur Markus Augé zusammengearbeitet und mit ihm – im engen Zeitrahmen – die bestmögliche Umsetzung besprochen. Toll und herausfordernd an diesem Projekt war für mich das literarische Thema und die Möglichkeit, die biografischen Dichter-Aspekte humorvoll umsetzen zu dürfen. Darüber hinaus habe ich durch den Zeitdruck des Projekts gelernt, einen – für Animation – sehr effektiven und schnellen Workflow zu entwickeln.
Regie: Markus Augé, Animationen: Heidi Kull, Produktion: Florianfilm, Kunde: WDR, 2014

Dichter Dran! – Animation Portfolio von Heidi Kull from Heidi Kull on Vimeo.

Deine wichtigste Inspirationsquelle?

Arbeiten von guten Zeichnern und Zeichnerinnen zu sehen, weil das – allein durch das Betrachten guter Zeichnungen – den positiven Effekt hat, dass auch die eigenen Zeichnungen unmittelbar besser werden.

Welcher Kreative beeindruckt dich mit seiner Arbeit?

Ich interessiere mich vor allem für Zeichnungen und habe mir eine Sammlung „Von Meistern lernen“ angelegt, die von Renaissance-Zeichnern wie Tiepolo über Adolf Menzel bis hin zu aktuellen Comiczeichnern reicht.

Aktuell gehört dazu z. B. Kim Jung Gi, der mich vor allem durch seine Perspektiven beeindruckt und dadurch, dass er nahezu alles und jeden ohne Referenzmaterial zeichnen kann. Zu meinen Lieblingszeichnern gehören auch Benjamin Güdel, Reinhard Kleist, Karl Kerschl, die holländische Zeichnerin Loish und Rafael Alvarez.

Kreativität ist für mich vor allem das Lösen von Problemen.

Was schätzt du an der Kreativbranche und was nervt dich?

Ich schätze es, gut vernetzt zu sein und einen guten Austausch mit den KollegInnen zu haben.
Was mich im Zusammenhang mit der Kreativbranche nervt: das in jüngster Zeit ständig zu hörende Wort „Prekariat“ (das wie ein Adelstitel klingt) und alles was damit umschrieben wird.

Golfbuch: Auftrag war die Illustration eines Golf-Lehrbuchs. Auftraggeber war der ehemalige Golf-Pro Henning Strüver. Das Besondere an dem Auftrag war, dass ich über die Illustrationen und das Layout hinaus einen großen beratenden Anteil an der Buchproduktion hatte und z. B. auch den Verlag für das Buch fand. Ungewöhnlich war sicher auch, dass ich Henning Strüver in der Erstellungsphase zu regelmäßigen Golf-Lehrstunden traf. Dabei skizzierte und erstellte ich Fotos als Vorlagen für die Illustrationen. Einschub: Kurz nachdem ich diesen Text geschrieben habe, erhielt ich eine sehr traurige und absolut überraschende Nachricht: Henning Strüver – „mein“ Herr Strüver – mit dem ich das 2014 erschienene Golfbuch „Besseres Golf mit Ypsilon“ erstellt habe, ist Ende Mai verstorben. Ich kann nicht fassen, dass es ihn nicht mehr gibt. Bin sehr traurig. Habe ihn sehr gemocht. Nicht nur als Traumkunden. „Besseres Golf mit Ypsilon“, Neuer Sportverlag, Autor: Henning Strüver, Illustration und Layout: Heidi Kull

Golfbuch: Auftrag war die Illustration eines Golf-Lehrbuchs. Auftraggeber war der ehemalige Golf-Pro Henning Strüver. Das Besondere an dem Auftrag war, dass ich über die Illustrationen und das Layout hinaus einen großen beratenden Anteil an der Buchproduktion hatte und z. B. auch den Verlag für das Buch fand. Ungewöhnlich war sicher auch, dass ich Henning Strüver in der Erstellungsphase zu regelmäßigen Golf-Lehrstunden traf. Dabei skizzierte und erstellte ich Fotos als Vorlagen für die Illustrationen.
Einschub: Kurz nachdem ich diesen Text geschrieben habe, erhielt ich eine sehr traurige und absolut überraschende Nachricht: Henning Strüver – „mein“ Herr Strüver – mit dem ich das 2014 erschienene Golfbuch „Besseres Golf mit Ypsilon“ erstellt habe, ist Ende Mai verstorben. Ich kann nicht fassen, dass es ihn nicht mehr gibt. Bin sehr traurig. Habe ihn sehr gemocht. Nicht nur als Traumkunden.
„Besseres Golf mit Ypsilon“, Neuer Sportverlag, Autor: Henning Strüver, Illustration und Layout: Heidi Kull

Ein Traumkunde ist immer der Kunde, dessen gut budgetiertes Projekt mich zeichnerisch und intellektuell herausfordert und mit dem ich eine gute Kommunikation habe.

Was ist das Tolle am Freelancer-Dasein / an der Selbständigkeit?

Grundsätzlich die Freiheit, selbst zu bestimmen, was ich arbeiten und lernen will. Die große Unterschiedlichkeit und thematische Abwechslung in meinen Jobs und die freie Zeiteinteilung.

Wo ist dein Arbeitsplatz und was macht ihn besonders?

Zum Arbeiten gehe ich ein Haus weiter, in den „Laden“, den ich „Zeichnerei Kull“ nenne. Das ist eine ehemalige Ladenbäckerei mit einem schönen Fußboden, hohen Decken und einem Schaufenster, in dem ich sowohl eigene als auch Arbeiten von befreundeten Kollegen zeige.

Hast du einen Zeitmanagement-Trick?

Mein bester und einzig wirklich funktionierender Zeitmanagement-Trick ist die „Pomodoro“-Technik, die ich immer dann anwende, wenn ich mich voll auf eine Arbeit konzentrieren muss: Ich unterteile mein Arbeitspensum in kurze, intensive Abschnitte („Pomodoros“) und stelle dazu meinen tickenden Kurzzeitwecker auf 25 Minuten ein (in der Originalversion ist es eine Eieruhr in Pomodoro-/Tomatenform – daher der Name). Nach jedem „Pomodoro“ lege ich eine 5-Minuten Pause ein, in der ich mich vom Arbeitsplatz wegbewege und etwas ganz anderes mache.

Beispiele für Portrait-Jobs: Zu meinen häufigsten Aufträgen gehören auch handgezeichnete Portraits – meist für Zeitschriften und Mitglieder-Magazine. Verschiedene Auftraggeber: Agenturen, Bildungsträger, Art-Direktoren von Magazinen … Illustration: Heidi Kull

Beispiele für Portrait-Jobs: Zu meinen häufigsten Aufträgen gehören auch handgezeichnete Portraits – meist für Zeitschriften und Mitglieder-Magazine.
Verschiedene Auftraggeber: Agenturen, Bildungsträger, Art-Direktoren von Magazinen … Illustration: Heidi Kull

Die beste Idee, die du je hattest?

Eine beste Idee ever gibt es nicht. Alle Ideen haben ihre Zeit …Aktuell beschäftigt mich gerade die Idee für eine Comicgeschichte zum Thema „Kalter Krieg aus Kindersicht“ im zerbombten Berlin der 50er-Jahre. Und ich denke, es war eine gute Idee, für die Umsetzung gerade ein Stipendium beantragt zu haben.

Gibt es ein Projekt, das du unbedingt noch umsetzen möchtest?

Ich würde gerne wieder mehr freie, eigene Projekte umsetzen, was leider durch meine berufliche Tätigkeit sehr in den Hintergrund gerückt ist. In erster Linie äußert sich das als das Bedürfnis, Geschichten zu erzählen. Im Moment würde ich gerne den eben angesprochenen Comic zum Thema Kalter Krieg umsetzen und als Webcomic veröffentlichen.

NOOK NAMES – was hältst du von unserem Netzwerk?

Ich mag das NOOK-Netzwerk, insbesondere die NOOK IMPULSE MEETINGS, wo ich schon viele tolle Begegnungen hatte.

Was wärst du geworden, wenn nicht Illustratorin?

Musikerin. Ich arrangiere z. B. Songs für meinen Chor, komponiere hin und wieder auch die Musik für meine eigenen Trickfilme und spiele (ja doch: ziemlich gut und viel) Ukulele.

Liebe Heidi Kull, vielen Dank für die vielen umfassenden Antworten und Infos. Ich denke, das ein oder andere wird neue Gedanken hervorgebracht haben 😉 Wir freuen uns, dich auf dem nächsten NOOK IMPULSE MEETING in Berlin – das gerade in der Planung ist – begrüßen zu dürfen! Viel Erfolg weiterhin.

Jonas Drechsel

Ex-Erklärbär

Jonas war Head of Communication bei NOOK NAMES und verantwortlich für die Inhalte dieses Blogs.