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Wie gehe ich als Freelancer mit Anfragen zum kostenlos arbeiten um?

Früher oder später hat jeder mal eine Anfrage für kostenlose Arbeit auf dem Tisch. In meiner Arbeit als Illustrator habe ich das schon ein paar Male erlebt. Mal ist es der Hobbyist, der ein tolles Buch geschrieben hat und nun jede Menge Bilder dafür möchte. Oder ein Jungunternehmer hat eine grandiose Geschäftsidee und braucht jetzt unbedingt das volle CI-Paket. Gerade Berufsanfänger glauben noch, kostenlos arbeiten sei üblich oder gar ein toller Weg, um bekannt zu werden. Meiner Erfahrung nach sind diese Anfragen so gut wie nie ernst zu nehmen. Als Profi muss ich wirtschaftlich arbeiten. Mit meinen Werken schafft der Kunde sich Werte, egal ob es ein Produkt ist, über Werbung Einkünfte generiert oder das Image aufbessert. Immer haben die Arbeiten von Kreativen den Zweck, für den Kunden eine Wertschöpfung zu erbringen. Daher ist es nicht nur richtig, dafür angemessen vergütet zu werden, so steht es schon im Urheberrechtsgesetz (§32 a ff). Auch ist es ein Zeichen der Wertschätzung und des Respekts vor der Arbeit von Kreativen.

Kostenfreie Arbeit lehne ich eigentlich grundsätzlich ab. Mancher Kollege berichtete mir aber auch, dass in seltenen Fällen sich eine neue Möglichkeit ergeben kann, wenn man bestimmte Regeln einhält.

1.) „Ich hab da eine tolle Geschäftsidee!“

Ich glaube jeder von uns hatte schon Anfragen von Hobbyisten, Startups und branchenfremden Kunden. Sie haben fast nie ein Budget, was der Arbeit angemessen wäre. Grundsätzlich ist der Zeitaufwand größer, als der Kunde es sich denkt. Dennoch können sich hinter solchen Anfragen lukrative Projekte verstecken.

Als Profis sollten wir hier den Kunden als Ganzes wahrnehmen und ihn richtig beraten. Häufig haben sie sich keine Gedanken gemacht, welchen Aufwand die geforderte Arbeit und welchen Wert die geforderten Rechte haben. Ich analysiere seinen tatsächlichen Bedarf und entwickle ein Konzept, das auf den Bedarf des Kunden und sein Budget optimiert ist. Vollumfänglich eingeräumte Nutzungsrechte sind nie empfehlenswert für den Kunden. Wenn trotz allem der Kunde nicht das Budget aufbringen kann, um unsere Arbeit angemessen zu vergüten, dann sollte man definitiv ablehnen. Wir sind nicht deren Sponsoren und sollten niemals das unternehmerische Risiko anderer Geschäftsleute tragen müssen.

Tipp: Im Buchmarkt ist es nicht unüblich, in Beteiligungen vergütet zu werden. Dabei erhält der Künstler im Vorfeld eine garantierte Vorschusszahlung und wird im folgenden in Anteilen am Nettoladenverkaufspreis beteiligt, meistens bei 5-10 %. Das Risiko bleibt, bei einem Misserfolg nicht die angestrebte Vergütung zu bekommen.

2.) „Können Sie eine Probezeichnung machen?“

Der Kunde möchte sichergehen, genau das zu bekommen, was er wünscht, dafür aber nicht bezahlen. Wie jeder professionelle Freelancer habe ich aber eine Website, auf der sich jeder ein sehr profundes Bild darüber machen kann, was ich leiste. Der Kunde sollte daher in der Lage sein, zu erkennen, ob ich für das Projekt geeignet bin. Sollte der Kunde tatsächlich nach etwas fragen, was ich nicht auf der Website habe, schicke ich ihm ein personalisiertes Portfolio zu.

Häufig verbergen sich hinter solchen Anfragen aber (unbezahlte) Pitches. Man kann davon ausgehen, dass eine solche Anfrage nicht aufgrund des eigenen Profils eingegangen ist, sondern der Kunde mehr oder weniger willkürlich eine größere Auswahl Freelancer mit der gleichen Anfrage kontaktiert hat. Der Vorteil liegt klar beim Kunden, da er hier eine Vielzahl an Konzepten präsentiert bekommt, ohne ein Risiko einzugehen. Grundsätzlich lehne ich solche Anfragen ab, denn sie zeugen von einer geringen Wertschätzung unserer Arbeit gegenüber. Am Geld liegt es in den seltensten Fällen.

Tipp: Probearbeiten sind reale Arbeit und müssen vergütet werden. Man kann dem Kunden aber anbieten, die Kosten der Probearbeit bei erfolgreicher Erteilung mit dem späteren Autrag zu verrechnen. Damit sichert man sich einen besseren Posten in den Verhandlungen und macht keine Arbeit umsonst.

3.) „Da kommen sehr viele Multiplikatoren.“

Wir Kreativen lieben Wettbewerbe. Sie sind auch durchaus ein gutes Akquisemittel. In erster Linie kommt es darauf an, wer den Wettbewerb ausrichtet. Ob die Teilnahme an einem Wettbewerb sich lohnt, ist abhängig von seiner Reichweite. Internationale Designwettbewerbe mit einer anerkannten Jury und Ausstellungen weltweit sind eine bessere Reputation als die Kunstausstellung der Dittmarscher Landfrauen.
Sehr beliebt sind auch Promotionaktionen, in denen Firmen einen Wettbewerb ausschreiben, und das Gewinnerwerk wird dann produziert. Dies ist nichts anderes als ein Pitch um viele Ideen. Dem sage ich grundsätzlich ab.

Tipp: Darauf achten, dass der Wettbewerb von anerkannten, nichtkommerziellen Organisationen, z. B. AGD, Verdi oder IO e.V. unterstützt wird und nicht nur von einer (kommerziellen) Firma.

4.) „Das ist doch Werbung für dich.“

Schwierig wird es bei Anfragen von gemeinnützigen Organisationen. Es ist natürlich höchst begrüßenswert sich zu engagieren. Gerade größere Organisationen nutzen künstlerische Werke gerne zur Wertschöpfung. Z. B. verkaufen sie die Postkarten auf Weihnachtsmärkten oder werben mit Flyern um Mitglieder. In beiden Fällen hat der Verein später sehr konkret etwas davon. Daher ist es richtig, dass auch der Kreative seine Wertschätzung für die Arbeit erhält. Nur wenn ich wirklich überzeugt von dem Engagement des Vereins bin, ziehe ich es in Erwägung als freiwillige Hilfe mitzuarbeiten, denn tatsächlich lukrativ sind solche Anfragen nie. Gerade gemeinnützige Organisationen werden später auch nicht mehr Geld haben. Wichtig ist, hier die Rahmenbedingungen genau zu definieren. Generiert der Verein Gewinne dadurch? Kann man einen Anteil an den Einkünften erhalten? Auf die Namensnennung sollte man keinesfalls verzichten.

Tipp: Wenn eine Vergütung nicht möglich ist, kann eine Spendenbescheinigung über die volle Vergütungshöhe als Ersatz lohnenswert sein. Der bescheinigte Wert wird später bei der Steuer mindernd einberechnet.

Fazit zum kostenlos arbeiten als Freelancer

Wie man sieht, gibt es einige Gründe nicht grundsätzlich abzulehnen, wenn es ums kostenlos arbeiten geht. Die Rahmenbedingungen müssen aber stimmen. Egal, welche Form der kostenlosen Arbeit man wählt, immer sollte uns kreativen Freelancern klar sein, dass wir hier Zeit für bezahlte Aufträge vergeben. Wir müssen uns gut überlegen, ob die Teilnahme uns wirklich einen Mehrwert schafft oder ob letztlich doch nur der Kunde einen Vorteil hat. Die Zeit für derartige Projekte sollte immer minimal sein und der Kunde wissen, dass optimale Qualität auch nur mit angemessener Vergütung möglich ist.

Dieser Text ist von einem Gastautor verfasst und bildet nicht zwingend den Standpunkt des Freelancernetzwerks NOOK NAMES ab. Wir finden den Inhalt insofern relevant, da er ein Anstoß zur Wissensvermittlung und Diskussion sein kann.

Sven Geske

Freelancer

Sven arbeitet seit 2005 als freiberuflicher Illustrator. Er liebt es seine Bilder im Kopf sichtbar zu machen. Anders aber als das freie Zeichnen, haben seine Bilder immer auch etwas konstruiertes. Weswegen es wohl nicht verwundert, dass neben verspielten Figuren auch kühle Architektur oder komplexe Infografiken gehören.

Illustrator, Ennigerloh

Meine Leidenschaft brennt für Vektorillustrationen. Ob Infografik, Characaterdesign oder Editorial Illustration, ich bin dabei.